Methodenvielfalt

Ich bin schon oft über den Vorwurf gestolpert, wir „Wattebauschwerfer“ und „Clickertanten“ würden uns so viele Möglichkeiten im Training nehmen, wenn wir die Arbeit über Strafe rigoros ablehnen. Es wird unterstellt, wir arbeiteten alle nach dem gleichen Schema F und es gäbe keine Methodenvielfalt, kein individuell auf das Hund-Halter-Team abgestimmtes Training.
Warum ich dem vehement widerspreche und wie ich die Methodenvielfalt im „positiven“ Training sehe, möchte ich in diesem Blogpost erklären.

Auf Ohrfeigen verzichten

Der Vergleich von Hund und Kind mag umstritten sein, doch in diesem Fall finde ich ihn sehr passend. Ich möchte nämlich die Frage in den Raum stellen: Erziehen Eltern ihre Kinder automatisch gleich, nur weil sie Ohrfeigen grundsätzlich ablehnen? Oder heißt die Entscheidung gegen Ohrfeigen (oder Schläge im Allgemeinen) nur, dass man diese eine Methode eben nicht richtig findet und sie selbst nicht anwendet?

Oder wie sieht das in deinem Alltag aus? Fühlst du dich in deinem Umgang mit deinen Mitmenschen ernsthaft eingeschränkt, weil du keine Gewalt anwenden willst bzw. das vom Gesetz sogar verboten ist?

Ich für meinen Teil sehe darin kein großes Problem. Ich habe trotzdem hunderte Möglichkeiten, mit anderen Menschen – ob Kind oder Erwachsener – umzugehen. Es gibt auch viele Varianten, wie ich den anderen dazu bewegen kann, sich so zu verhalten, wie ich das gerne hätte.

Ich kann bitten, bestechen, implizieren, jammern bis der andere reagiert.

Ich kann die Situation von vornherein so gestalten, dass z.B. das Kleinkind nicht auf die heiße Herdplatte fassen kann. Oder ich sorge dafür, dass das Kind lernt, was „heiß“ bedeutet. Oder ich sage deutlich, dass ich nicht möchte, dass es an den Herd geht. Oder ich lenke es mit etwas anderem ab.

Ich kann meinem Kollegen erklären, warum mich seine Musik beim Arbeiten stört und um Verständnis bitten. Ich kann selbst eigene laute Musik anmachen. Ich kann ihm einen Zettel schreiben. Ich kann ihm Kekse anbieten, wenn er die Musik leiser macht.

Nein, nur weil ich Gewalt gegenüber Mensch und Tier ablehne, bin ich noch lange nicht auf einen bestimmten Weg festgelegt. Das sollte durch die Beispiele klar geworden sein.

Meine „moral baseline“

Nun gut, es bleiben also schon noch verschiedene Methoden übrig. Aber warum soll ich mir überhaupt irgendwelche Möglichkeiten im Training nehmen?

Das ist für mich tatsächlich eine ethische bzw. moralische Frage. Es geht darum, wie ich das Zusammenleben von Mensch und Hund grundsätzlich sehe. Welche Werte sind mir wichtig und wie sind diese in die Tat umzusetzen. Ein ganz grundlegender Aspekt dabei ist das Thema Gewalt.
Gewalt gegen Lebewesen lehne ich ab. Leid, das vermeidbar ist, sollte meiner Meinung nach auch vermieden werden. Das ist übrigens auch in unserem Rechtssystem verankert. Der erste Paragraph des Tierschutzgesetzes in Deutschland lautet:

„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ (https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html)

Und „weil’s einfacher ist“, ist für mich kein vernünftiger Grund. Genau so wenig wie „das haben wir schon immer so gemacht“, oder „aber es funktioniert doch“. Unsere eigene Bequemlichkeit ist KEIN vernünftiger Grund.

Wir Hundehalter haben uns dazu entschieden, die Verantwortung für einen (oder mehrere) Hund(e) zu übernehmen. Wir haben die Gewalt darüber, wo und wie unsere Hunde leben, ja sogar was und wann sie essen, wo und wann sie schlafen, wohin sie sich bewegen und wen sie treffen. Das liegt (leider?) in der Natur der Sache. Es liegt damit aber auch in unserer Pflicht, dem Hund beizubringen, mit seiner Lebenswirklichkeit in unserer modernen Gesellschaft klarzukommen.

Und genau da sind wir beim Punkt der Trainingsmethoden, denn genau dort haben wir die Wahl. Die Wahl, uns gegen weitere Gewalt zu entscheiden. Für uns selbst die Linie zu ziehen, was wir unseren Hunden zumuten können und wollen. Es ist unsere Pflicht, das nach bestem Wissen und Gewissen zu tun.

Dazu gehört für mich auch, sich mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft auseinanderzusetzen und zu verstehen, wie Hunde ihre Umwelt wahrnehmen und wie sie lernen. Man muss sich dafür aber zum Glück nicht unbedingt selbst durch jede Menge Fachliteratur kämpfen, denn zum Glück gibt es ja Fachleute, die das tun und Hundehaltern genau das vermitteln können, was sie für ein harmonisches, gewaltfreies Zusammenleben mit Hund wissen müssen.

Für mich ergibt sich aus meinem Wissen eine recht klare Grenze, welche Methoden eindeutig nicht vertretbar sind. Das ist quasi meine „moral baseline“, meine moralische Grundlage, von der aus ich weiter überlegen kann, wie genau ich mich nun verhalten möchte. Nur, was jenseits dieser Baseline liegt, scheidet für mich ganz klar aus.

Wo meine persönliche Baseline liegt, möchtest du wissen? Dann schau dir die Grundsätze von Trainiern statt Dominieren an. Das ist meine Grundlage.  Davon bin ich überzeugt. Was nicht heißt, dass man nicht darüber diskutieren könnte. Was nicht heißt, dass andere es nicht anders sehen könnten. Und was auch nicht heißt, dass sich diese Grundlage nie ändern könnte, sofern neuere Erkenntnisse einzelne Teile davon widerlegen.

Aber es heißt, dass es für mich, nach meinem derzeitigen Wissensstand, keine Frage ist, ob ich nicht doch eine Ausnahme von diesen Grundsätzen mache. Nein, für mich gibt es keine Ausnahmen von meinen ethischen Überzeugungen.

Auch Clickertrainer streiten sich

Nach diesem Ausflug in die Ethik und dahin, welche Trainingsmethoden definitiv wegfallen, können wir nun zum Thema der Vielfalt zurück kommen. Da bleibt nämlich trotzdem noch eine Menge an Methoden übrig.

Und nur, weil sich eine Gruppe von Trainern darin einig ist, dass eben bestimmte Methoden nicht vertretbar sind, heißt das noch lange nicht, dass man sich nicht bei anderen Punkten uneinig sein könnte.

Da wird diskutiert, sich ausgetauscht, ja auch mal gestritten. Wir sind doch letztlich alle darum bemüht, das Beste für Mensch UND Hund aus unserem Training herauszuholen. Wenn man sich nur oberflächlich mit Training über positive Verstärkung auseinandergesetzt hat, kann man sich wahrscheinlich kaum vorstellen, über wie viele Feinheiten man sich da noch streiten kann. Timing, Verstärkerwahl, Management und vieles mehr. Ja, es läuft am Ende immer auf die gleichen Mechanismen des Lernens hinaus, aber bei der Umsetzung liegt der Teufel im Detail.

Auch  „die Positivler“ sind nur Menschen. Da geht es auch mal heiß her und die netten Prinzipien den Hunden gegenüber, bleiben bei Mitmenschen manchmal auf der Strecke. Das ist nicht schön, aber so ist das Leben. Niemand ist perfekt. Nur, was ich wirklich nicht mehr hören kann, ist der Glaube, dass man’s auch gleich ganz lassen kann, wenn man’s nicht 100% und immer umsetzen kann.

Ist es nicht gerade die Erkenntnis, dass man es anders machen will, die entscheidend ist? Und ist es nicht gerade dieser Weg, auf dem man immer mal wieder Fehler macht, um aus ihnen zu lernen, der unser Leben ausmacht?

Die Entscheidung gegen Gewalt ist für mich der Startpunkt, sein eigenes Handeln zu reflektieren und zu ändern. Für mich geht es da gar nicht mehr nur um Hundetraining. Für mich geht es da um eine Einstellung zum Leben, durch die ich eine ganze Menge über mich und die Welt gelernt habe. Es geht darum, achtsam zu sein und GEMEINSAM zu wachsen.

Jeder Hund ist anders

Letztendlich muss man auch sehen, dass wir nicht unter Laborbedingungen leben. Wir müssen immer mit einbeziehen, dass Lebewesen eine Vorgeschichte haben, dass sie einen Alltag haben, dass sie individuell sind. Da sind wir dann wieder beim Schema F, das eben nicht immer passt.

Und jeden, der daran zweifelt, ob man bei so viel „Einschränkungen“ durch ethische Grundsätze, überhaupt noch auf den Einzelnen eingehen kann, den kann ich beruhigen: Oh ja, die Werkzeugkiste der positiven Verstärkung gibt ne gaaanze Menge her.

Zu den meisten typischen Verhaltensproblemen, die wir so bei Familienhunden sehen, fallen mir auf Anhieb mehrere mögliche Trainingsansätze ein, zwischen denen ich dann wählen kann. Jeder dieser Ansätze hat von sich aus schon genug Variablen, die vom individuellen Hund-Halter-Gespann abhängig sind. Dazu kommen noch eine ganze Reihe an Übungen und Ideen, die zusätzlich helfen können und das Kerntraining ergänzen. Natürlich darf auch der Blick auf das „große Ganze“ nicht fehlen – Gesundheit, Stress, Auslastung usw.

Daraus lässt sich wunderbar ein ganz individuelles „Paket“ schnüren. Und wenn ein Ansatz doch nicht funktioniert? Dann gehen wir eben auf Fehlersuche oder wechseln zu einer anderen Strategie aus dem Repertoire. Regelmäßige Fortbildungen und Austausch mit anderen Trainern tragen dazu bei, dass ich dieses Repertoire stetig erweitern und verfeinern kann.

Irgendetwas vermisst habe ich jedenfalls noch nicht, durch die Entscheidung für das Wattebauschwerferdasein 😉

Warum Leinenführigkeit eigentlich gar nichts mit der Leine zu tun hat

Leinenführigkeit soll nichts mit der Leine zu tun haben? Klingt komisch, ist aber so! Und warum ich das so sehe, will ich dir in diesem Artikel erklären.

Das Gehen an lockerer Leine brauchen wir praktisch jeden Tag. Kaum jemand hat den Luxus, seinen Hund gleich ab der Haustür frei laufen lassen zu können. Wir legen also den ein oder anderen Weg an der Leine zurück und möchten dabei nicht durch die Gegend gezerrt werden – also trainieren wir die Leinenführigkeit!

Was wollen wir dem Hund eigentlich beibringen?

Unser erster Gedankengang ist also „der Hund soll nicht an der Leine ziehen“. Aber was genau heißt das? Dieser Satz sagt nämlich eigentlich nur aus, was wir NICHT wollen. Nun kann man einfach umformulieren und sagen „der Hund soll so laufen, dass die Leine immer leicht durchhängt“. Auch das hilft uns so nicht weiter, denn es handelt sich dabei um ein Konzept, das wir unserem Hund kaum vermitteln können. Hunde sind zwar sehr intelligente Tiere, aber mit physikalischen Zusammenhängen haben sie es einfach nicht so – man denke nur an diese blöden Laternen, an denen man mit so einer Leine hängen bleiben kann. Nicht an der Leine zu ziehen ist einfach kein klar definiertes Verhalten, das wir unserem Hund beibringen können.

Wir müssen uns also überlegen, WAS GENAU unser Hund eigentlich tun soll, um nicht an der Leine zu ziehen. Ich mache mal einen Vorschlag: „Der Hund soll in meiner Nähe bleiben und sein Tempo an meine Gehgeschwindigkeit anpassen.“ Je nachdem, was man im Alltag für Anforderungen an die Leinenführigkeit hat, kann man diese Definition natürlich noch erweitern und verfeinern. Vielleicht lautet deine Definition dann „Mein Hund soll sich in einem Radius von 2 Metern um mich herum bewegen und diesen Radius selbstständig einhalten.“ Vielleicht ist es bei dir aber auch etwas spezieller, z.B. „Mein Hund soll an meiner linken Seite mit einem maximalen Abstand von einem Meter laufen, Tempo und Richtung selbstständig an mich anpassen und dies auch, wenn größere Ablenkungen vorhanden sind, sicher tun.“

Und die Leine?

Egal, wie genau nun dein persönliches Zielverhalten aussieht, hast du nun etwas ganz konkretes, das du deinem Hund beibringen kannst. Du hast ein Bild im Kopf, wie sich dein Hund verhalten soll, um nicht mehr an der Leine zu ziehen.

Wenn wir uns die Beispiele oben noch mal anschauen, stellen wir aber fest: Ups, wo ist denn nun das Wort „Leine“ hin? Und genau das ist mein Punkt! Das Verhalten an sich ist gar nicht an die Anwesenheit einer Leine gebunden. Wenn man das so betrachtet, hat das den riesigen Vorteil, dass unser Verhalten „Leinenführigkeit“ später auch ohne Leine funktionieren wird. Wir müssen uns nur auf das Verhalten an sich konzentrieren, es unter Signal stellen und können es dann ganz unabhängig vom Equipment abfragen.

Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass man für Leinenführigkeitstraining theoretisch nicht mal eine Leine besitzen müsste.

Aber die Leine!

Nun gut, dass man im Normalfall eben nicht ohne Leine auskommt, gebe ich zu. Sonst wären wir wohl gar nicht erst auf die Idee gekommen, an der Leinenführigkeit trainieren zu wollen. Ich möchte nur von dem Gedanken wegkommen, dass es nur um die Leine geht und diese im Mittelpunkt des Trainings steht.

Wozu die Leine allerdings sinnvoll ist, ist zum einen Management und zum anderen einfach zur Sicherheit.

Im Training hilft uns die Leine dabei, dass der Hund keinen Erfolg hat, wenn er von uns weg zieht. Das ist eine Managementmaßnahme für die Momente, in denen wir nicht schnell genug waren, etwas unvorhergesehenes passiert, oder wir einfach zu schnell zu viel verlangt haben. Ohne Leine wäre der Hund dann weg und könnte sich wunderbar mit der Umwelt selbst belohnen. Mit Leine bleiben wir einfach stehen, halten den Hund fest und schauen dann, wie wir weiter machen.

Aber auch ein Hund, der gelernt hat, zuverlässig in unserer Nähe zu bleiben, sollte an manchen Orten immer an der Leine geführt werden – zur Sicherheit! Ein Hund ist und bleibt ein Lebewesen und kann nie 100% berechenbar sein. Es kann IMMER etwas passieren, das ihn doch dazu veranlasst, auf die Straße zu springen. Außerdem besteht natürlich an vielen Stellen Leinenpflicht, die eingehalten werden muss, und sei es nur wegen der Brut- und Setzzeit im Frühling/Sommer.

Leinenführigkeit hört nicht beim Ableinen auf

Mein Fazit ist, dass wir unsere Perspektive auf das ganze Thema etwas ändern sollten. Leinenführigkeit kann so viel mehr sein, als ein Hund, der seinen Besitzer nicht durch die Gegend schleift.

Bringt eurem Hund bei, was er genau tun soll und ihr habt ein wunderbares Signal für „bleib in meiner Nähe und folge mir“. Macht euch nicht abhängig von der Leine als Gegenstand.

Das ist nicht nur super praktisch, sondern erspart euch auch ein gutes Stück Leinenfrust.

Und jetzt bin ich total gespannt, was ihr über Leinenführigkeit denkt und wie es bei euch und eurem Hund so funktioniert. Schreibt mir gerne eure Gedanken in die Kommentare!

3 Tipps für entspannte Spaziergänge

Egal ob Leinenziehen, andere Hunde oder Menschen anpöbeln, unerwünschte Jagdausflüge, oder einfach viel zu viel Aufregung – wer einen Hund mit einer solchen Baustelle hat, kennt anstrengende Spaziergänge. Man will eigentlich nur in Ruhe mit dem Hund eine Runde durch die Natur drehen, doch dann kommt der Erzfeind um die Ecke, der Hase hüpft übers Feld und nach 5 Minuten schmerzt der Arm vom ewigen Ziehen.

Das macht keinen Spaß und kostet viel Kraft, die du vielleicht an manchen Tagen einfach nicht hast. Natürlich muss man an all diesen Baustellen arbeiten, doch bis das Training wirklich greift, dauert es einfach eine Weile. Man kann auch nicht ständig trainieren, sondern will doch auch zwischendurch mal ein bisschen die Zeit mit seinem Hund genießen. Und genau für diese „einfach-Mal-Seele-baumeln-lassen“- und „jetzt-Mal-nicht-trainieren“- Spaziergänge habe ich hier 3 Tipps zusammengetragen, die deine Runden SOFORT entspannter machen!

1. Zeit und Ort

Schon bei der Wahl von Ort und Zeit deiner Runde kannst du die Weichen für Entspannung stellen. Mit dem überdrehten, unverträglichen Junghund Montag Nachmittag um 4 in die typischen Hundeauslaufgebiete gehen? – Keine gute Idee! Mit dem jagdlich sehr motivierten und dann kaum mehr zu kontrollierenden Hund in der Dämmerung durch den Wald spazieren? – Sicherlich keine Runde zum Ausspannen!

Wenn du gerade keinen Nerv zum Trainieren hast, dann ist das völlig in Ordnung. Überlege dir, wo und wann du am wenigsten den Auslösern für Stress bei dir und deinem Hund begegnest und gehe – wenn das irgendwie möglich ist – dort spazieren. Vielleicht kannst du die große Runde doch auf morgens verlegen. Oder es ist eigentlich kein Problem, dich ins Auto zu setzen und ein Stück aus der Stadt rauszufahren.

Es muss auch nicht immer eine „runde“ Runde sein. Wenn man nach einer bestimmten Strecke einfach umdreht und den gleichen Weg zurück läuft, gibt es auf dem zweiten Teil nicht mehr ganz so viele neue spannende Reize für den Hund. Das kann sich positiv auf die Erregungslage auswirken.

Entscheidend kann auch die Länge der Runde sein. Da ist nämlich weniger manchmal wirklich mehr. Wenn dein Hund von 1,5 Stunden Spaziergang die letzte halbe Stunde nur noch gestresst und nicht mehr wirklich aufnahmefähig ist, probier doch mal aus, kürzere Runden zu gehen.

Vielleicht passt es für deinen Hund besser, wenn ihr zwei mittelgroße Runden, statt einer ganz großen Runde am Tag dreht. Für manche Hunde sind mehrere kleinere Runden entspannter. Anderen Hunden hilft es, wenn sie zwischen den Spaziergängen mehr Zeit haben, um sich richtig auszuruhen.

Denk hier auch nochmal über genügend Ruhezeiten und ein angemessenes Maß an Auslastung nach. Da kann es auch durchaus sinnvoll sein, etwas weniger spazieren zu gehen und dafür drinnen ruhigere Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten.

Natürlich musst du auch schauen, wie die Spaziergänge am Besten in euren Tagesablauf passen. Aber ein bisschen Spielraum hat man meistens doch, wenn man mal überlegt. Probier doch einfach mal, ein bisschen mit Orten und Zeiten zu variieren. Jeden Tag den Plan komplett umstellen kann allerdings nach hinten los gehen, wenn dein Hund besonders auf gleichbleibende Abläufe und Rituale angewiesen ist, um sich zu entspannen. An der ein oder anderen Ecke etwas zu verändern kann aber manchmal schon reichen. Und wenn nicht, machst du es morgen eben wieder anders – Probieren geht da über Studieren!

2. Das passende Equipment

Ein aufgeregter Hund an einer 1 Meter langen Leine kann fast nicht anders, als zu ziehen. Hunde wollen ihr Umwelt erkunden, schnüffeln, ihr Geschäft erledigen. Die wenigsten schaffen das an einer sehr kurzen Leine. Steckt dein Leinenführigkeitstraining noch in den Anfängen und Freilauf ist nicht direkt möglich – Nimm eine längere Leine!

Als Führleine für kleine Runden oder den kurzen Weg zum Freilaufgebiet empfehle ich mindestens 2 Meter, besser 3 Meter.

Darf dein Hund, aus welchen Gründen auch immer, gerade nicht frei laufen? Oder hast du sonst das Problem, dass er den Rückruf ignoriert oder jagen geht? – Mach eine Schleppleine dran!

Je nachdem wie viel Bewegungsraum dein Hund braucht und wie geübt du mit der Schleppleine bist, dürfen das gerne 10 oder mehr Meter sein. Und unter bestimmten Bedingungen darf es sogar mal eine Flexileine sein, wenn das eben für euch gerade der passende Weg zu einer entspannteren Runde ist. Natürlich gehören sowohl Flexi, als auch Schleppleine nicht ans Halsband, sondern an ein gut sitzendes Brustgeschirr.

Apropos gut sitzendes Brustgeschirr – besorgt euch eins! Wenn keine körperlichen Probleme dagegen sprechen, ist ein Geschirr definitiv schonender und angenehmer für euren Hund. Außerdem habt ihr es in Gefahrensituationen leichter, den Hund aus dem Weg zu holen, weil ihr mit Geschirr einen Ansatzpunkt in der Mitte des Hundekörpers habt. Am Halsband zieht ihr erstmal nur den Kopf herum und das Hinterteil bleibt vielleicht den entscheidenden Moment zu lang auf der Straße. Es gibt insgesamt viele gute Gründe für ein Geschirr, also informiert euch und/oder lasst euch von einem Profi beraten.

Ausgestattet mit Brustgeschirr und langer Leine wird euer nächster Spaziergang sicher schon entspannter – sowohl für den Menschen, als auch für den Hund!

3. Entschleunigung

Dein Hund rennt den ganzen Spaziergang lang total überdreht durch die Gegend? Statt dich in der Natur entspannen zu können, bist du am Ende der Runde noch gestresster als vorher? Dann ist das große Stichwort für dich Entschleunigung!

Viele Hunde, die draußen sehr aufgeregt sind, steigern sich so ins Laufen und Ziehen herein, dass sie ihre Umwelt gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Sie haben am Ende dann zwar einiges an Strecke zurückgelegt, aber so wirklich was vom Spaziergang gehabt haben sie auch nicht – Laufen allein befriedigt nicht die Bedürfnisse des Hundes. Schnüffeln und Erkunden sind unglaublich wichtig für Ausgeglichenheit.

In solchen Fällen kann es helfen, einfach mal an ein und demselben Ort stehen zu bleiben und gemeinsam die Natur zu erkunden. Such dir eine schöne Stelle mit möglichst wenig anderen Ablenkungen, und warte ab, wie dein Hund darauf reagiert, dass es nicht weitergeht.

Im Idealfall wird er schnell auf die Idee kommen, doch mal am Wegesrand zu schnüffeln. Super! Du kannst deinen Hund gerne für dieses Erkundungsverhalten loben, oder auch selbst dazukommen und dir anschauen, was da so interessantes ist.

Das ist auch gleich eine Idee, wie du selbst deinen Hund zum Erkunden anregen kannst: Sei selbst interessiert an deiner Umwelt! Auch wenn du nur so tust, als ob dieser Zweig oder dieser Grashalm uuuunglaublich toll ist – manche Hunde kommen dann eben auch gucken, was Herrchen oder Frauchen da tolles gefunden hat.

Hängt dein Hund einfach frustriert in der Leine und will weiter? Vielleicht kannst du ihn durch eine kleine Leckerlisuche dazu bringen, sich etwas mehr mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Mach es für deinen Hund besonders interessant und lohnenswert, einfach mal zu schnüffeln.

Vielleicht mag dein Hund auch gerne gekrault oder massiert werden, während ihr einfach alles auf euch wirken lasst. Gemeinsam da sitzen und einfach beobachten, was um euch herum passiert kann wirklich schön sein!

Bei gutem Wetter kannst du vielleicht auch eine Decke mitnehmen und eine Pause oder sogar ein kleines Picknick irgendwo auf einer Wiese machen. Wenn du magst, kannst du z.B. ein Kauteil für deinen Hund mitnehmen – kauen baut auch Stress ab und senkt das Erregungsniveau!

Fazit

Es gibt viele Schrauben, an denen man drehen kann, um einen Spaziergang entspannter zu machen. Probier einfach mal aus, was für dich und deinen Hund funktioniert! Mach bewusst etwas, das euch beiden Spaß macht. Und ansonsten einfach mal tief durchatmen und lächeln – das wird schon!

Ich hoffe du, konntest ein paar Tipps für dich aus diesem Artikel mitnehmen. Und wenn du selbst noch Tipps hast, dann schreib doch einen Kommentar unter diesen Beitrag und lass uns daran teilhaben!

Rückblick 2016 / Ausblick 2017

2016. Hui, was für ein Jahr! Und schwupps, ist es auch schon vorbei und 2017 steht vor der Tür. Zeit einmal zu reflektieren, was war, und einen kleinen Blick in die Zukunft zu wagen.

Ja, hier war es dieses Jahr doch stiller, als ich es geplant hatte. Wobei – was heißt eigentlich „hier“? Wenn du das hier liest, dann bist du entweder neu auf diesen Blog gestoßen, oooder hast tatsächlich den Sprung vom alten WordPress-Blog auf unsere eigene Homepage geschafft! Die einzelnen „Lilly & Jack“ Seiten sind endlich umgezogen und leben jetzt zusammen auf lillyundjack.de. Juhu!

Aber das ist nicht das einzige, was sich in der Lilly & Jack – Welt 2016 verändert hat. Das Jahr war geprägt von Vorbereitungen, Aus- und Weiterbildung. Heute vor einem Jahr habe ich noch gar nicht konkret über eine Tierheilpraktikerausbildung nachgedacht und das Thema Hundetrainer war auch noch in weiter Ferne. Dann kam der Geistesblitz und statt weiter an der Situation zu verzweifeln, habe ich es in die Hand genommen:

Mitte Januar habe ich den Lehrgang Tierheilpraktiker bei der SGD angefangen, 20 Lernhefte durchgearbeitet, 2 Zwischentests absolviert, an 3 Praxisseminaren teilgenommen und dann Anfang Dezember die Abschlussprüfung bestanden. Alles in diesem Jahr.

Außerdem habe ich im Laufe des Jahres eine ganze Menge Praktikumsstunden als Trainerin gemacht, viel dazugelernt und bin mir immer sicherer geworden, dass das zu mir passt. Ergänzend habe ich Bücher gewälzt, Webinare geschaut und alles an Wissen rund um den Hund aufgesaugt. So wurde aus der unerfahrenen Praktikantin die zukünftige Co-Trainerin bei 4Pfoten on Tour. Verrückt.

Beruflich war das also schonmal ein ziemlich turbulentes Jahr. Mein Studium ist dabei zwar etwas auf der Strecke geblieben, und wartet nun darauf 2017 endlich zu Ende gebracht zu werden, aber man kann halt nicht alles haben. Ich würde sagen, 2017 kann kommen!

Am 1.1.17 startet diese Homepage und mit ihr der Onlineshop. Der soll im nächsten Jahr dann richtig ins Rollen kommen. Noch im Januar starten die ersten Gruppenkurse, die ich als (Co-)Trainerin leite. Im Laufe des Jahres sollen dann meine eigenen Kurse und Termine als Trainerin und Tierheilpraktikerin dazukommen. Ziel? Ende 2017 auf eigenen Beinen stehen!

Und privat? Und Jack? Ja, auch privat war das vergangene Jahr spannend.

Aus „Jack in einer Gruppe? Ich weiß ja nicht…“ wurde „Hundeführerschein? Tagesseminar? kriegen wir hin!“.

Wir haben endlich das Alleinbleibthema angehen können, wenn auch gaaaanz langsam. Eine gute halbe Stunde schafft er ganz entspannt. Das wollen natürlich nächstes Jahr noch erweitern. Die Basis sitzt jetzt und darauf kann man dann aufbauen.

Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich doch nicht so viel mit Jack gemacht habe, wie ich eigentlich wollte. Das Jahr war für mich eine Achterbahnfahrt, es gab viel zu tun und viel zu verarbeiten. Da fehlte ab und an einfach die Kraft oder die Zeit, um noch intensiv mit dem Zwerg zu trainieren.

Dafür waren wir dieses Jahr schon deutlich mehr im Freilauf unterwegs, als das Jahr davor. Und wir waren an der Ostsee!

Nur kurz vor Jahresende musste mir der Herr Zwerg noch einen gewaltigen Schrecken einjagen… ein Abend in der Tierklinik mit neurologischen Ausfällen, eine schlaflose Nacht, 400€ beim Tierarzt gelassen, dann war der Spuk vorbei. Und ich hoffe das bleibt jetzt auch so! Kleiner Mann mit glasigem Blick, der nicht mehr gerade stehen, geschweige denn gehen kann, braucht man nun wirklich nicht.

Vorsatz für 2017 also eindeutig: Gesund bleiben!

Und ich werde versuchen euch öfter hier im Blog von uns zu berichten, oder nützliche Tipps und Wissen in Artikeln zu verpacken.

Lilly & Jack wünschen euch einen guten Start ins neue Jahr!

Stell dir vor … eine kleine Analogie

Stell dir vor du ziehst in eine neue Stadt. Schnell stellst du fest, dass die Menschen untereinander scheinbar viele Streitigkeiten haben. Sie beschimpfen sich lauthals auf der Straße, drohen mit Gewalt. Vor kurzem wurde jemand direkt vor deinem Haus zusammengeschlagen.

Du bist etwas beunruhigt, aber denkst dir: Naja, wenn man die Leute nur gut kennenlernt, sind die bestimmt alle ganz nett.

Allen Leuten, die dir entgegen kommen, begegnest du erstmal freundlich. Leider merkst du, dass auch du von vielen beschimpft wirst – einfach so. Manche brüllen aus der Ferne, aus ihren Gärten, sogar aus ihren Fenstern heraus. Andere kommen ganz normal in deine Richtung und wenn sie direkt neben dir sind, geht‘s los.

Du wirst langsam unsicher, weil du bei niemandem mehr weißt, ob er dich nun anpöbeln wird, oder nicht.

Irgendwann passiert das unvermeidliche. Aus einem kleinen Fußweg stürmt jemand auf dich zu, wirft dich zu Boden, schlägt dir ins Gesicht. Du hast Angst um dein Leben. Irgendjemand zerrt den Angreifer von dir herunter und die beiden verschwinden. Die nächsten Tage bleibst du zu Hause, um deine Wunden zu pflegen. Eigentlich hast du gar keine Lust, wieder nach draußen zu gehen, aber irgendwann muss man ja mal das Haus verlassen.

Du bist schreckhaft und ängstlich geworden. Rechnest jeden Moment damit, wieder angefallen zu werden.

Trotzdem wehrst du dich nicht, sondern versuchst nur auszuweichen. Bloß allen Konflikten aus dem Weg gehen. Sich bloß nichts anmerken lassen, wenn doch noch mal jemand pöbelt. Niemanden provozieren.

Bis dir der Kragen platzt. Macht dich jemand dumm von der Seite an, gibst du Kontra – und es funktioniert! Es fühlt sich so gut an, endlich etwas tun zu können. Und die Leute verschwinden tatsächlich!

Du weitest deine Strategie aus. Erblickst du irgendwo einen anderen Menschen, brüllst du ihm sofort entgegen, dass er sich gefälligst zum Teufel scheren soll. Und es funktioniert. Aber du bist gestresst, weil du ständig Ausschau halten musst, ob du jemanden vertreiben musst. Sicher vor einem zweiten Angriff bist du aber trotzdem nicht…

Eines Tages bist du unterwegs mit deinem besten Freund, der nicht solche Erfahrungen gemacht hat, wie du. Er ist entsetzt von der Aggressivität, die auf der Straße herrscht. Noch entsetzter ist er aber darüber, dass du da inzwischen mitmachst. Du sollst dich nicht so anstellen und endlich das Brüllen einstellen. Das nervt ja unglaublich.

Ihm zuliebe hältst du den gesamten Spaziergang den Mund. Deine Unsicherheit und Angst frisst du brav in dich hinein. Dein Freund ist zufrieden: Siehst du, gar nicht so schlimm. Und wurdest du gefressen? Nein! Also lass doch den Mist.

Wieder zu Hause setzt ihr euch nochmal zusammen und sprecht über das Ganze. Du erklärst deinem Freund, dass du das Pöbeln doch nur angefangen hast, weil du Angst hast. Weil du dir Angreifer vom Hals halten willst. Plötzlich geht ihm ein Licht auf.

Was, wenn hier letztlich jeder nur pöbelt, weil er Angst hat? Eigentlich sind das doch alles keine gewalttätigen Menschen. Sie haben nur gelernt, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Aber das geht ja so nicht weiter. Am Ende hat nur jeder Stress und kann nicht mehr in Ruhe vor die Tür gehen. Es muss sich was tun.

Als erstes rät dir dein Freund zu einer Verhaltenstherapie. Mit Hilfe einer Psychologin lernst du, deine Angst wieder zu lösen und normal durch den Alltag gehen zu können. Es gibt ein paar Rückschritte, weil dir doch plötzlich wieder jemand zu nahe kommt und dich in Angst versetzt. Aber insgesamt wird es deutlich besser.

Aber die meisten anderen auf der Straße haben nicht so ein Glück. Sie haben keinen Freund, der ihnen sagt, dass sich da was ändern muss. Sie hören vielleicht eher noch, dass sie sich eh nie ändern werden.

Und weiterhin triffst du aggressive Menschen, die dich bedrohen. Du hast nur gelernt, dabei cool zu bleiben. Aber irgendwo tief in dir drin regt es dich immer noch auf. Und was da auch noch ist, ist eine große Portion Mitleid und Wut. Du hast zwar für dich selbst dein Problem mit Menschenbegegnungen gelöst, aber das grundsätzliche Problem in deiner Stadt ist noch lange nicht gelöst.

Schreckgespenst Konsequenz

Egal wie man nun seinen Hund trainiert, konsequent muss man sein. Man liest und hört es immer wieder. Konsequenz! Sonst wird das nie was mit dem gut erzogenen Hund… Aber was bedeutet das überhaupt? Und was nicht?

Einige Begriffe schleichen sich da ganz schnell ins Bewusstsein. Diese möchte ich hier unter die Lupe nehmen.

Kommandos und Regeln durchsetzen

Unter Konsequenz verstehen viele, dass Regeln immer gelten und diese dementsprechend auch durchgesetzt werden müssen. Führt der Hund ein Kommando nicht gleich aus, muss man ihm also irgendwie klar machen, dass das so nicht geht – schließlich heißt „Sitz“ „Sitz“, und nicht „vielleicht später“. Man wird also nachdrücklicher mit dem Kommando, schimpft und maßregelt, bis der Hund spurt. Schließlich darf man sich ja nicht auf der Nase herumtanzen lassen, weil … Konsequenz!

Überlegt man aber, warum ein Kommando oder eine Regel in einer bestimmten Situation nicht befolgt wird, so findet man schnell Gründe dafür, die sich nicht durch krampfhaftes Durchsetzen auflösen lassen. Das sind in den meisten Fällen:
1. Der Hund KANN gerade nicht. (Sei es durch körperliche Einschränkungen, Angst, Aufregung oder schlicht zu große Ablenkung)
2. Wir haben dem Hund (noch) nicht beigebracht, wie er sich richtig verhalten soll. (Sei es, dass wir das Verhalten in dieser Situation noch nicht geübt haben, es fehlt also Generalisierung, oder weil Signale noch gar nicht verstanden, oder unklar gegeben werden)

Den Hund in so einer Situation zu maßregeln bringt also überhaupt nichts, weil der es gar nicht besser weiß. In beiden Fällen ist der sinnvollere Ansatz, daraus zu lernen und in Zukunft für genau diese Situationen zu trainieren. Und bis dahin sollte man dringend überlegen, wie man verhindern kann, dass der Hund überhaupt Fehler macht. Im Zweifelsfall also Leine dran und gar nicht erst „Sitz“ sagen, wenn es eh nicht klappen wird.

So vorausschauend zu handeln halte ich für deutlich konsequenter, als erst dann einzuschreiten, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“ und man sich in seiner Konsequenz bedroht fühlt.

Grenzen setzen

Man muss dem Hund Sachen verbieten, damit er weiß wo er dran ist. Das ist ein Tier und das braucht schließlich Grenzen. Also werden Regeln eingeführt: nicht aufs Sofa, nicht zuerst durch die Tür usw… Das geht dann meistens mit dem vorherigen Punkt einher: diese Grenzen müssen dann natürlich auch durchgesetzt werden!

Was ist nun aber das Problem an den Grenzen? Mal abgesehen davon, dass bei vielen dieser Grenzen der alte Schuh von der Rangordnung, zumindest im Unterton, noch mitschwingt und man somit dere grundsätzliche Sinnhaftigkeit infrage stellen kann. Grenzen zu setzen, um Grenzen zu setzen, um diese dann konsequent durchsetzen zu können, schießt irgendwie etwas übers Ziel hinaus, finde ich.

Ich frage mich lieber: Wie kann ich mein Zusammenleben mit dem Hund so gestalten, dass wir beide (bzw. die ganze Familie) damit glücklich werden. MUSS der Hund unbedingt bei Fuß laufen? Oder reicht es nicht, wenn er an lockerer Leine im Radius um mich herum läuft? STÖRT es jemanden ernsthaft, wenn der Hund mit auf dem Sofa liegt? Oder kann man da Kompromisse schließen? Gibt es einen GRUND, warum ich als Mensch zuerst aus der Haustür gehen will? Oder geht es mir eigentlich nur darum, dass er nicht einfach nach draußen stürzt? Dabei sollte man auf jeden Fall auch Bedürfnisse des Hundes bedenken.

Hat man dann sinnvolle Regeln für das Zusammenleben aufgestellt, überlegt man sich als nächstes, wie man dem Hund vermittelt, was er machen soll. Und ja, genau das, was er TUN soll, nicht was er LASSEN soll. Schuhe ankauen ist Tabu? Bring ihm bei, dass er stattdessen auf seinem Spielzeug kauen kann. Oma anspringen ist nicht erwünscht? Zeig ihm, dass es sich lohnt, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben – oder z.B. „Sitz“ zu machen (Stichwort Sitzdose). Und dann siehe oben: Trainieren, und bis es sicher klappt Management.

So werden die Bedürfnisse von Mensch und Tier berücksichtigt und können konsequent im Alltag umgesetzt werden. Bei diesem Punkt kommt es also definitiv auf das „Wie“ an, denn dass unser Zusammenleben Regeln und Grenzen erfordert, sollte wohl allen klar sein. Was leider nicht jedem klar ist, ist dass man diese eben auch nett vermitteln kann.

Konsequenzen sind negativ

Leider wird das Wort Konsequenz oft mit etwas negativem assoziiert. Irgendwie denkt man gleich an Sanktionen, Strafen und unangenehme Folgen. Dabei können Konsequenzen doch genau so gut etwas schönes sein.

Wenn ich mir Essen koche, ist die Konsequenz eine leckere Mahlzeit.
Wenn ich arbeiten gehe, ist die Konsequenz, dass ich Gehalt bekomme.
Wenn der Hund auf den Rückruf hört, ist die Konsequenz, dass er belohnt wird.

Letztlich heißt Konsequenz doch nur „Auswirkung“, „Folgerichtigkeit“ und „Beharrlichkeit“. Wir wollen unseren Hunden Sicherheit geben und sie durch unsere Welt führen. Das alles lässt sich wunderbar ohne Strenge umsetzen. Zwischen dieser Definition von Konsequenz und dem, was man im Alltag oft darunter versteht, ist ein himmelweiter Unterschied. Genau so, wie man „Führung“ nicht mit „Führer“ gleichsetzen kann.

Für mich zeugt es von Konsequenz, also von Folgerichtigkeit und Beharrlichkeit, wenn man seinen Hund mit Herz und Verstand vorausschauend erzieht. Genau so finde ich es nur konsequent, sich Gedanken darüber zu machen, WIE ich meinen Hund erziehen möchte und das dann auch umsetze – ohne Ausnahmen. In einem Moment nicht auf etwas zu bestehen, ist für mich nicht gleich inkonsequent. Manchmal ist das Abweichen von der Regel nichts weiter als eine sinnvolle Anpassung an die gegebenen Umstände. Konsequenz heißt nicht verbissen und starr den eingeschlagenen Weg zu verfolgen. Konsequenz heißt für mich auch, sich selbst zu hinterfragen, um gegebenenfalls die Folgerichtigkeit seiner Taten wiederherzustellen.

In dem Sinne: Macht was schönes mit euren Hunden, das euch beiden Spaß macht. Bleibt flexibel und seid nett zu euren Schützlingen. Sie werden euch diese Art der Konsequenz danken.

IBH Hundeführerschein Praxisprüfung

Gestern war es so weit: Die Praxisprüfung zum IBH Hundeführerschein stand an! Schrecklich aufgeregt machten Jack und ich uns also morgens auf den Weg nach Baunatal. Bis wir da waren hatten wir schon genug blöde Hundebegegnungen für den ganzen Tag gehabt, was uns natürlich nicht gerade entspannter machte. Am Treffpunkt angekommen mussten wir noch kurz warten, dann ging es auch schon los!

Geprüft hat uns Gerd Schreiber, der mir von Anfang an sympathisch war und mir so zum Glück etwas von meiner Anspannung nahm. Jacks Begrüßungsgeheul gekonnt ignoriert und die Bürokratie erledigt, ging es dann für die ersten Übungen auf eine Wiese.

Sitz – Platz – Bleib

Sitz klappte wunderbar, aber schon beim Platz gab es den ersten Patzer. Irgendwie schien Jack mich nicht zu verstehen – oder wollte er gerade einfach nicht? Also fix nochmal aufstehen lassen und 2 Meter weiter nochmal … und dann ging es wunderbar. Also weiter mit Bleiben. Ich sollte ihn Absetzen oder Ablegen (meine Entscheidung) und mich 10 Meter entfernen. So weit so gut, Zwerg liegt. Also ging es mit etwas Ablenkung weiter: Prüfer geht vorbei, beugt sich in etwas Entfernung runter, bewegt ein Stöckchen. Zwerg lag immer noch tapfer, stand dann aber irgendwie doch auf und kam ein Stück auf mich zu. Warum auch immer. Direkt auf die Ablenkung schien er nicht zu reagieren. Ich habe ihn wieder Sitzen lassen, noch bevor er bei mir war. Aber kurz darauf kam er nochmal etwas auf mich zu. „Ohje“, dachte ich und stoppte ihn nochmal. Er lag dann noch etwas, was dann auch ok war. Uff, gleich am Anfang sowas!

körperliche Untersuchung und Chip

Auf dem Programm stand auch, dass sich der Hund von seiner Bezugsperson Ohren, Zähne und Pfoten untersuchen lassen muss. Das ging so weit gut. Die eine Vorderpfote wollte Jack nicht so gern angucken lassen, mit kurz an der Hand schnüffeln lassen ging das aber auch. Außerdem sollte dann noch der Chip ausgelesen werden. Vom Prüfer wollte Jack sich das aber nicht gefallen lassen, legte den Rückwärtsgang ein und zeigte deutliches Meideverhalten. Auch mit Leckerli ging nichts, also sollte ich es versuchen. Sobald ich das Lesegerät in der Hand hatte war alles gut – piep – Chip funktioniert.

Rückruf und Abbruch

Als nächstes sollte ich Jack ableinen. Es war schon vorher abgesprochen, dass ich Jack per Schleppleine sichern darf, da die Wiese direkt an einen Parkplatz und eine Straße grenzte. Ich durfte ihn aber natürlich ansonsten in keiner Form durch die Leine beeinflussen. Rückruf unter Ablenkung durch den Prüfer war gar kein Problem. Unser doppelter Rückruf sitzt inzwischen wirklich gut, so dass er auf dem Absatz kehrt macht und auf mich zu flitzt. Dann wurde ein Spielzeug geworfen und Jack sollte nicht dran gehen. Heißt also: früh genug rufen. Beim ersten mal habe ich reflexartig die Leine festgehalten – zählte also nicht. Also ein zweiter Versuch. Das ging dann aber natürlich alles viel zu schnell, beim Umorientierungssignal war er eigentlich schon fast am Spielzeug. Da konnte er dann nicht widerstehen und hat sich den Fleecezergel doch geschnappt, bevor er freudestrahlend damit auf mich zu gerannt kam. Wenigstens hat er es vor mir freiwillig ausgespuckt. Danach sollte ich noch kurz mit ihm zergeln, ihm das Spielzeug überlassen und es ihm dann wieder abnehmen. Und Mister „Ich find Spielzeug draußen langweilig“ zerrte mit Feuereifer an dem Teil… gab es aber ganz bereitwillig wieder her. Puh, geschafft!

In die Stadt

Danach ging es dann in die „freie Wildbahn“. Ich sollte über die Straße in Richtung Marktplatz gehen. Jack war recht abgelenkt und brav neben mir laufen fiel ihm ziemlich schwer. Trotzdem war er gut ansprechbar und mit ein bisschen gutem Zureden kamen wir ohne viel Ziehen weiter. Um auf Nummer sicher zu gehen ließ ich ihn aber zwischendurch auf dem Grünstreifen schnüffeln und die Leine entsprechend länger. Und schon kam uns ein bestellter Passant mit Hund entgegen. Jack war aber mit Schnüffeln beschäftigt und ich fand schnell eine Möglichkeit etwas auszuweichen. Als er dann doch den Kopf hob und den anderen Hund sah, gab es schnell Marker und Leckerchen – Situation entschärft. Auch etwas Bellen von hinten hat Jack nicht ernsthaft aus der Fassung gebracht.

Marktplatz

Auf dem Marktplatz angekommen sollte ich mich dann auf eine Bank setzen. Der Passant, diesmal ohne Hund, hatte dann den Auftrag, sich zu mir zu setzen. Ich war also erstmal damit beschäftigt, dass Jack den nicht belästigt. Er durfte dann einmal schnüffeln kommen, alles ok. Und dann kam der Schocker: Jack und ich heben relativ gleichzeitig den Blick und sehen, dass vielleicht 2-3 Meter vor uns ein Mann mit seinem Chihuahua steht. Das ist für Jack immer noch verdammt nah, also fing ich gleich an ihn für nettes Hinschauen zu belohnen. Leider fing der Chihuahua auch noch an Jack anzubellen – das war’s dann! Jack musste zurück bellen. Mir rutschte das Herz in anbetracht der Prüfungssituation in die Hose. Zum Glück funktionierte die konditionierte Entspannung und etwas Brust kraulen perfekt. Nach nur ein paar Bellern war Jack wieder ruhig und konnte sogar Leckerchen nehmen. Beim Verlassen des Platzes mussten wir natürlich nochmal an dem Chi vorbei, aber mit Bogen und ganz viel Markern und Leckerchen schafften wir das ohne weiteres Bellen.

Rückweg

Nach der Aufregung und sicher auch wegen des warmen und schwülen Wetters wirkte Jack nun zunehmend erschöpft. Ich musste ihn ziemlich motivieren mitzulaufen. Dann kam noch eine Aktion mit dem bestellten Passanten, der mich nach dem Weg fragen sollte. Tja, wenn man sowas übt, ist man darauf vorbereit, lässt den Hund brav absitzen und regelt das dann. In diesem Moment habe ich aber einfach reagiert, wie im „echten Leben“ – Leine kurz, fix antworten, Jack belohnen für’s brav rumstehen. Noch kurz warten, bis der Passant seinen Hund wieder hatte und aus dem Weg war, dann weiter. Ich bekam dann noch die Wahl, ob ich links rum durch die Fußgängerpassage, oder geradeaus an der Straße entlang zurück zum Parkplatz wollte. Da Jack schon so fertig war, wählte ich die Straße. Mit viel gutem Zureden kam er auch tatsächlich mit. Sonst wäre er wohl einfach irgendwo auf dem Weg im Schatten liegen geblieben. Da ich kein eigenes Auto habe, entfiel das Ein- und Aussteigen ins bzw. aus dem Auto. Und schon war die Prüfung vorbei.

Besprechung

Nach einer kurzen Denk- und Schreibpause bekam ich dann das Ergebnis: BESTANDEN! Juhu! Dann bekam ich noch ausführliche Rückmeldung zu den einzelnen Prüfungsteilen. Insgesamt meinte er, dass Jack und ich ein tolles Team sind. Jack ist ein ziemlich unsicherer Hund, der viel Hilfestellung von mir braucht. Dadurch, dass ich ihm die aber gebe, ist das vollkommen ok. So waren weder die Patzer bei Platz und Bleib, noch das Zurückbellen auf dem Marktplatz schlimm, da ich die Situationen entsprechend gehandelt bekommen habe. Die Sache mit dem genommenen Spielzeug war insofern noch ok, weil er das Teil gleich zu mir gebracht und ausgespuckt hat. An der Straße und bei Passanten hätte ich ihn etwas kürzer nehmen und noch umsichtiger handeln sollen. Bei der Wegwahl am Ende habe ich Jack richtig eingeschätzt und den passenden Weg genommen. Insgesamt also doch alles ganz gut, finde ich.

Fazit

Alles in allem war der Tag total aufregend und anstrengend, aber irgendwie auch richtig gut. Ich bin unglaublich stolz auf Jack, der das so toll gemacht hat, obwohl ich ja entsprechend aufgeregt war, was sich sicher auch auf ihn übertragen hat. Die Atmosphäre während der Prüfung war echt angenehm, was in erster Linie an Gerd lag, bei dem man nie das Gefühl hatte von oben herab beurteilt zu werden. Auch die Bewertung war fair und am Alltag orientiert. Es geht bei diesem Hundeführerschein wirklich nicht um Perfektion, sondern viel mehr darum, richtig mit Patzern und schwierigen Situationen umzugehen. Ich würde die Prüfung auf jeden Fall wieder machen, wenn ich mich jetzt nochmal entscheiden müsste. Jetzt bin ich aber erstmal einfach froh, es geschafft zu haben.

Fazit: Hat sich gelohnt!

An dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön an Alexandra, ohne die ich mich nichtmal getraut hätte, den Vorbereitungskurs anzufangen und die unsere Gruppe so gut auf die Prüfung vorbereitet hat!

Auch Gerd Schreiber möchte ich danken, der durch seine lockere Art eine Menge Anspannung aus der Prüfungssituation genommen hat und sehr fair und transparent geprüft hat!

Und Danke an die anderen Teams, die immer mit Rat und Tat und zusätzlichen Übungsspaziergängen zur Stelle waren. War wirklich eine tolle Gruppe,die immer zusammen gehalten hat!

Jack und das Bett

Heute mal eine kleine Geschichte, die zeigt: Management ist manchmal das beste Training!

Als Jack zu uns kam, ging er über Tische und Bänke. Er war es einfach gewohnt, überall drauf springen zu dürfen, egal ob Sofas oder Betten. Aus verschiedenen Gründen (Rangordnung war natürlich keiner davon!) hatten wir uns entschieden, dass Jack bei uns weder ins Bett, noch einfach so aufs Sofa sollte. Durch konsequentes Runterschicken hatte er auch bald verstanden, dass er in unserer Anwesenheit auf dem Boden bleiben soll und tat genau das – wenn jemand da ist nicht auf Sofa oder Bett springen! Sobald man aber nicht hinsah, lag er wieder glücklich und zufrieden genau da, wo er gerne hin wollte.

Da man nicht immer überall seine Augen haben kann, hatte Jack immer wieder Erfolg. Das Problem blieb also, und auch wenn es mich nicht groß stört, ihn dann halt fix wieder runter zu schicken, so wurde es doch spätestens bei Verwandten nervig, die Hund auf Sofa oder Bett gar nicht lustig finden. Ständig musste man schauen, wer jetzt wo eine Tür aufgelassen haben könnte. Nicht schön. Aber auch nicht so dramatisch, dass wir es zur Priorität gemacht hätten.

Irgendwann führten wir zu Hause die „Sofadecke“ ein. Liegt diese bestimmte Decke auf dem Sofa, darf Jack hoch. Und mal abgesehen davon, dass auf dem Sofa kuscheln ne schöne Sache ist, hatte es sicherlich auch einen positiven Einfluss auf das unerlaubte Draufspringen. Jacks „Sofabedürfnis“ wurde befriedigt und freundliches Nachfragen oft belohnt.

Nach unserem Umzug kam dann noch Jacks Sessel dazu, quasi das Luxuskörbchen! Damit hat er nun immer eine adäquate Alternative mit vergleichbarem Komfort zum Sofa.

Der wichtigste Punkt blieb aber Management: Augen auf und Türen zu! Tagsüber bleibt die Schlafzimmertür, nachts die Wohnzimmertür konsequent geschlossen. Zumindest wenn man dran denkt. Und wer mich kennt, der weiß: Lilly ist manchmal vergesslich. Das kann ja dann eigentlich nichts werden. Der Zwerg wird immer mal wieder auf Sofa oder Bett liegen. Selbstbelohnend. Verhalten wird aufrecht erhalten. Ganz einfach.

Umso mehr wunderte mich dann vor kurzem folgende Begebenheit:
Ich war im Wohnzimmer, Jack zunächst auch, stand dann aber auf und wart nicht mehr gesehen. Irgendwann auf dem Weg ins Bad sah ich dann, dass die Schlafzimmertür offen stand… Ich also ins Schlafzimmer und was fand ich? Keinen Zwerg! Sicher? Nochmal gucken… Ne, kein Zwerg. „Jaaaack?“. Taps taps taps, Schritte HINTER mir… Da hatte er tatsächlich einfach im Arbeitszimmer auf seinem Sessel gelegen und verstand nun gar nicht, was ich von ihm wollte…

Da waren wir wohl doch lange genug konsequent und Jack hat sich ein entsprechendes Alternativverhalten angewöhnt.

Heute dann das I-Tüpfelchen: Leckerchen auf dem Bett liegen gelassen, Tür aufgelassen – natürlich aus Versehen, ich Vergessliche… – und trotzdem entscheidet sich Jack für seinen Sessel.

Es ist für ihn normal geworden, NICHT aufs Bett zu springen. Und letzten Endes ist daran das Management schuld, und die Möglichkeit für ihn, sein Bedürfnis nach bequemen Liegeplätzen anders zu befriedigen. Alles steht und fällt mit diesen 2 Faktoren: Management und Alternativen. Dann ist Training in dem Sinne manchmal gar nicht mehr nötig.

Alternativverhalten ist nicht gleich Alternativverhalten

Heute möchte ich euch einmal meine Herangehensweise an ein kleineres Problem beschreiben, das wir mit Jack haben bzw. hatten. Halbwegs schlaue Hunde haben schnell raus, wenn es bald raus geht. Jack kennt zum Beispiel „Wollen wir RAUS gehen?“, aber manchmal reicht auch die Abspannmusik einer Serie, die wir öfter gucken (Juhu, Nachtrunde!). Das ist ja zunächst nichts schlimmes, wenn da nicht die blöde Aufregung wäre, weil Herr Zwerg innerhalb einer Sekunde von Schlafen zu „Wuhu, wir gehen Spazieren! Gehen wir JETZT spazieren? Frauchen, Frauchen, Frauchen, ich freu mich so! Raus? Jetzt sofort?…“ wechselt. Das ganze wird dann von einem mehr oder weniger ausgeprägten Fiepkonzert und wildem umherlaufen begleitet. Und da fängt das Problem an… „fiiiiiep fiiiiep, taps taps taps taps, fiiiiiiep“ ist nämlich ziemlich schnell ziemlich nervig, und spätestens wenn man über den plötzlich vor seinen Füßen herlaufenden Hund stolpert, hört der Spaß auf.

„Na, dann sag ihm halt nicht mehr, wenn ihr raus geht“ – Haha, schön wär’s, wenn das so einfach wäre! Ok, ein bisschen Stress kann man sich dadurch sparen, aber früher oder später kriegt er die Vorbereitungen eben doch mit. Das ist also keine Lösung. Mögliche weitere Lösungen, und ob die funktionieren, möchte ich euch im Folgenden kurz vorstellen:

1. Ansatz: Schimpfen. Erklärt sich eigentlich von selbst, dass das nicht die beste Lösung ist. Ist aber wohl das erste, was einem in den Sinn kommt, wen man genervt ist. Aber nicht nur, dass Strafe, egal ob nun verbal oder körperlich, grundsätzlich nicht Mittel der Wahl sein sollte. Nein, es bringt hier auch einfach nichts. Schimpfen steigert das Erregungsniveau, und führt unweigerlich zu noch mehr Umherlaufen und Fiepen…

2. Ansatz: Ignorieren. Eine nettere Version, unerwünschtes Verhalten loszuwerden, ist es zu ignorieren. Keine Aufmerksamkeit, kein Erfolg, kein Fiepen und Umherlaufen mehr. Schön wär’s! Zum einen ist das ganze Verhalten ziemlich sicher selbstbelohnend, zum anderen geht’s ja am Ende raus zum Spaziergang und das ist wohl eine ziemlich dicke Belohnung! Außerdem verlangt es verdammt Impulskontrolle vom Menschen, den nervenden Hund tatsächlich konsequent zu ignorieren. Funktioniert also auch nicht.

3. Ansatz: Es geht erst raus, wenn Hund ruhig ist. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen sie noch heute drinnen vor der Tür… Diese Taktik funktioniert vielleicht bei Hunden, die drängeln und gleich durch den ersten offenen Türspalt rennen. Ich denke aber, um ein Verhalten, das schon während des gesamten Anziehens gezeigt wird und dann auch noch auf Aufregung basiert, ist das nicht sehr effektiv. Außerdem müssen wir auch hier letztlich wieder abwarten und ignorieren, bis der Hund aufhört – siehe Ansatz 2 – nicht so gut.

4. Ansatz: Anleinen. Eigentlich eine gute Idee, Management zu betreiben und das Herumlaufen durch eine Leine zu verhindern. Dumm nur, dass das nicht das Problem mit dem Fiepen löst. Dann steht man also da, mit dem immer noch fiependen Hund an der Leine, der wahrscheinlich zumindest am Anfang versuchen wird, trotz Leine herumzulaufen, und versucht sich dabei noch Jacke und Schuhe anzuziehen – nicht gut. Hinzu kommt noch, dass wir damit nur ein Symptom bekämpfen. Die Aufregung ist ja immer noch da und der Hund wird nur mechanisch davon abgehalten, seine Bewältigungsstrategie (nichts anderes ist hier das Laufen und Fiepen) auszuführen.

5. Ansatz: Alternativverhalten. Ein Hund der sitzt (oder liegt), kann nicht umherlaufen. Damit diese Version funktioniert, muss zunächst das gewünschte Alternativverhalten sehr gut in anderen Situationen aufgebaut werden. War die Vorarbeit gut genug, kann man dem Hund einfach ansagen, was er nun tun soll und er wird in der Position warten, bis man ihn ruft. Und da kommen wir auch schon zum Haken an der Sache: es dauert, es ist mühsam, und bis man auch nur ansatzweise Erfolge in der Situation sieht, ist man wahrscheinlich vor lauter genervt sein längt explodiert. Dazu kommt auch hier, dass es passieren kann, dass der Hund seine Bewältigungsstrategie nur unterdrückt, sich aber ansonsten nichts ändert. Das frustriert und verbraucht einen Haufen Impulskontrolle, die man eigentlich viel dringender später auf dem Spaziergang braucht. Außerdem: Ein Hund der sitzt, kann trotzdem noch fiepen … Ich würde sagen, dieser Ansatz kann funktionieren, wenn schon z.B. ein Sitz und Bleib oder ein „Geh ins Körbchen“ sehr gut sitzt und man sehr hochwertige Verstärker zur Hand hat. Für alle anderen Fälle ist dieser Ansatz eher nicht so optimal.

6. Ansatz: Entspannungstraining. Wunderbare Idee, die tatsächlich an der Ursache und nicht am Symptom ansetzt! Mal ganz davon abgesehen, dass ich die eine oder andere Form des Entspannungstrainings jedem ans Herz legen würde. Aber wie sieht es nun bei diesem konkreten Problem aus? Sagen wir, wir bauen eine Entspannungsdecke auf (zum Beispiel nach Bina Lunzers Ruheprotokoll). Dann kann man die Decke irgendwo in den Flur legen, Hund geht drauf, entspannt und wir können uns in Ruhe anziehen. Wer entsprechend Zeit und Geduld hat, oder aber sowieso schon eine Entspannungsdecke gut aufgebaut hat, dem würde ich diese Variante definitiv empfehlen. Möchte man am Ende gerne ohne Decke auskommen, kann man sich sicher auch einen Plan überlegen, wie man die Decke ausschleichen kann.

Warum habe ich das in diesem Fall mit Jack nicht gemacht? In erster Linie, weil auch ich eine ungeduldige Person bin und wir mit der Decke noch nicht so weit sind. Wir haben schon so lang an dieser Sache herumgedoktort, mit mehr oder weniger guten Erfolgen. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Kommen wir also zu des Rätsels Lösung:

7. Ansatz: Neues Verhaltensmuster Shapen. Ich habe mich mit Leckerlis bewaffnet in den Flur gestellt und auf das kleinste Innehalten im Herumlaufen gewartet. Marker, Keks auf den Boden vor ihn (um bloß keine weitere Aufregung in die Sache zu bringen). So wurde das Anhalten schon häufiger. Dann zügig, bevor er wieder loslaufen konnte, ein zweites Leckerli hinterhergeschoben. So blieb er immer öfter nach dem Leckerli einen Moment stehen, weil ja noch eins hinterher kommen könnte. In der Art und Weise haben wir uns immer weiter in Richtung ruhigen Wartens gearbeitet.

Der Vorteil daran? Der Hund entscheidet selbst, sein Verhalten zu ändern und wird nicht durch Kommandos oder die Leine dazu gezwungen. Er lernt einfach, dass sich ruhiges Warten viel mehr lohnt, als herumzulaufen und zu fiepen. Er darf mitdenken und hat immer die freie Wahl, doch nochmal in die alten Muster zu verfallen – das wird einfach ignoriert. Und hat sich das neue Verhalten erstmal gefestigt, verselbständigt sich das ganze. Keine Signale sind nötigt, der Hund macht alles von selbst. Man sieht sehr schnell eine Veränderung und hat das Gefühl, gleich etwas tun zu können, statt ewig Vorarbeit zu leisten. Man braucht nur Leckerli, Timing und ein bisschen Geduld.

Diesen Ansatz empfehle ich vor allem für Teams mit etwas Clickererfahrung und sofern der Hund nicht zu aufgeregt ist, um noch Leckerli nehmen zu können.

Hattet ihr selbst schon so ein Problem mit eurem Hund? Wie habt ihr es gelöst? Was haltet ihr von meinen Ideen? Über Kommentare würde ich mich freuen!

Ausweichen erlaubt

Warum ich finde, dass es in Ordnung ist schwierigen Situationen auszuweichen? Weil Management eine sinnvolle Sache ist! Wenn ich sehe, dass uns ein Hund entgegen kommt und diese Begegnung für meinen Hund zu schwierig sein wird, dann weiche ich einfach aus. Was dahinter steckt, erkläre ich euch in diesem Blogpost.

Ich beziehe mich hier zum Großteil auf Leinenpöbelei, es lässt sich aber natürlich auch auf anderes unerwünschtes Verhalten übertragen, das in bestimmten Situationen auftritt.

Management ist nicht Training

Viele Leute reagieren auf Ausweichen mit Unverständnis, weil der Hund so ja nie lernen würde, mit dem Reiz umzugehen. Und das stimmt sogar! Durch Managementmaßnahmen, wie es das Ausweichen ist, lernt der Hund erstmal nichts. Um am Problem zu arbeiten, muss zusätzlich trainiert werden. Management ohne Training führt auf Dauer zu nichts. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass Training ohne zusätzliches Management oft nichts, oder zumindest nicht viel, bringt.

Diese beiden Komponenten sollten zusammen spielen und sich gegenseitig ergänzen. Welche Rolle dabei das Management hat, folgt nun. Auf das Training an einzelnen Problemverhalten kann ich hier natürlich nicht eingehen.

unerwünschtes Verhalten verhindern

Indem ich meinen Hund nicht in Situationen bringe, mit denen er noch nicht umgehen kann, verhindere ich, dass er unerwünschtes Verhalten zeigt. Dadurch, dass er dieses Verhalten nicht mehr zeigen kann, wird es nicht weiter eingeübt. Vor allem bei selbstverstärkenden Verhaltensweisen ist dies besonders wichtig. Jedes Bellen führt zu mehr Bellen in Zukunft.

Am effektivsten lernt ein Hund, wenn er dabei möglichst keine Fehler machen kann. Vernünftiges Training findet immer in einem Bereich statt, in dem der Hund noch erwünschtes Verhalten zeigen kann. Das Korrigieren unerwünschten Verhaltens durch aversive Reize lehne ich – aus unterschiedlichen Gründen – ab. Warum sollte ich also unerwünschtes Verhalten provozieren, indem ich eben nicht ausweiche?

Lernen unmöglich

Ist der Hund mit einem Reiz überfordert und zeigt deutliche Anzeichen von Stress oder Angst, dann kann er in diesem Moment nicht lernen. Sein Körper hat den Ausnahmezustand ausgerufen und klares Denken ist nicht mehr möglich. Ein zu hohes Erregungsniveau zeigt uns deutlich: „Das war zu viel!“. Hier kann es höchstens noch zu Fehlverknüpfungen zwischen Orten, Personen oder Hunden und eben dieser Aufregung kommen. Der Hund wird dann in Zukunft noch aufgeregter sein, was wiederum unerwünschtes Verhalten wahrscheinlicher macht.

Den Hund durch so eine Situation durchschleifen zu wollen, frei nach dem Motto „da muss er jetzt durch“, finde ich nicht in Ordnung. Natürlich kann man nicht allem und jedem Ausweichen, aber wenn ich die Möglichkeit dazu habe – warum nicht?

Natürliches Verhalten

Habt ihr mal eine ganz normale, harmonische Hundebegegnung im Freilauf beobachtet? Ist euch dabei aufgefallen, dass die Hund sich in einem Bogen einander annähern? Frontal auf den anderen zu laufen ist in der Körpersprache des Hundes ein erster Schritt in Richtung Eskalation und Aggressionsverhalten. Da Hunde normalerweise Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen möchten, widersprechen frontale Hundebegegnungen ihrem natürlichen Verhalten. Dessen sollten wir uns bewusst sein, wenn wir mit unserem Hund an der Leine auf einen anderen zugehen.

Kommt uns ein anderer Hund entgegen, können wir einfach einfach einen kleinen Bogen gehen, um diesem Bedürfnis nachzukommen. Hat einer der Hunde ein Problem mit Hundebegegnungen, machen wir den Bogen eben entsprechend größer. Wenn es die Örtlichkeiten zulassen, kann man so wunderbar genug Abstand schaffen, um tatsächlich in dieser Situation trainieren zu können. So kann ein Stück Management das Training in einer Alltagssituation erst ermöglichen.

Wir sind nicht allein auf der Welt

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass zu einer Begegnung immer mindestens 2 gehören. Vielleicht hat dein Hund gar kein Problem damit, nah an einem anderen vorbeizugehen. Das heißt aber nicht, dass das beim anderen auch so sein muss. Da sollte man einfach etwas Rücksicht nehmen, den anderen Hund mit im Auge behalten und im Zweifelsfall einfach nachfragen.

Leider sind mir in letzter Zeit auch vermehrt Hundehalter aufgefallen, deren Hunde offensichtlich nicht gut mit Hundebegegnungen umgehen können, die aber trotzdem einfach weiter in uns hineinlaufen. Abgesehen davon, dass mir deren Hunde leid tun, weil so etwas für sie natürlich auch großen Stress bedeutet, finde ich es für uns unglaublich nervig. Auch für meinen Hund bedeutet es Stress, wenn er angekläfft wird. Es provoziert ihn, zurückzukläffen und das kann ich ihm in manchen Situationen auch wirklich nicht übel nehmen. Leider kann einen aber genau das im Training zurückwerfen.

Deswegen ist mein Appell: Auch wenn es euch scheinbar egal ist, dass euer Hund andere Hunde anbellt, denkt doch bitte auch an die anderen Hunde! Wer möchte schon gerne angepöbelt werden?

Mut

Abschließend möchte ich noch sagen: Mutig ist nicht der, der blind in jede Gefahr hineinläuft. Mutig ist, wer sich eingestehen kann, dass etwas (noch) zu schwierig für ihn oder sie ist.

Traut euch, auszuweichen, wenn ihr denkt, dass es gerade besser für euch und euren Hund ist! Ihr müsst niemandem etwas beweisen!