Türchen Nr. 22 – Mach mal Pause!

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Nun haben wir in den letzten beiden Türchen über Entspannung und Entschleunigung nachgedacht. Heute möchte ich noch einen Schritt weiter gehen. Nicht nur entspannt handeln, oder langsamer machen, sondern wirklich mal NICHTS machen.

Ja, genau genommen gilt hier wohl die gleiche Regel, wie beim „Du kannst nicht nicht kommunizieren“. So richtig NICHTS tun geht gar nicht.

Was aber geht, ist uns so weit es geht an ein „Nichtstun“ anzunähern. Auch hier geht es wieder darum, kleine „Inseln“ im Alltag zu schaffen, um uns richtig runterzufahren. Neben den kleinen Momenten der Achtsamkeit und Entschleunigung, sind für mich auch ganze Ruhetage wertvoll und wichtig für das Wohlbefinden von Mensch und Hund.

Wir können uns dabei getrost von der Vorstellung lösen, dass unsere Hunde jeden Tag „ausgelastet“ werden müssen. Selbst (oder gerade?) klassische Arbeitshunde haben in ihrer ursprünglichen Arbeit immer wieder Tage und Phasen, in denen nichts zu tun ist und es auch kein „Ersatzprogramm“ gibt. Die Pausen werden zur Regeneration genutzt und die Hunde kommen auch mit diesen Wechseln gut klar.

Hat ein Hund Ruhe gelernt, wird er auch gern mal Pause machen. Gerade die Hunde, die schlecht zur Ruhe kommen, brauchen meist gar nicht noch mehr Auslastung, sondern vor allem mehr Ruhe. Hier zeigt sich auch wieder die Wichtigkeit des Entspannungstrainings: Bekommst du deinen Hund nur durch Auslastung bis zur Erschöpfung „unter Kontrolle“, so ist all die Mühe nur ein Unterdrücken der Symptome. Die Ursache liegt in der fehlenden Entspannung.

An Pausentagen können unsere Hunde körperlich regenerieren, Gelerntes verarbeiten und Impulskontrolle wieder aufladen. Pausentage für den Hund baue ich daher ganz bewusst ein, wenn zuvor viel los war und der Hund viel zu verarbeiten hat. Ich verhindere so, dass er in einen Teufelskreis aus Aufregung und Stress kommt. Nach müde kommt ja bekanntlich blöd – das gilt sowohl kurzfristig, als auch über längere Zeit hinweg.

Doch auch einfach so zwischendurch sind Pausentage wohltuend. Das gilt nicht nur für den Hund, sondern vor allem auch für uns Menschen.

Bei uns Menschen kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Wir sind es, die normalerweise die To-Do’s bestimmen und die uns und unsere Hunde unter Druck setzen. Auch von diesen To-Do’s brauchen wir Pausen. Daher ist ein richtig Pausentag für mich ein Tag, an dem ich mir absolut nichts vornehme. Abgesehen von den absolut notwendigen Tätigkeiten („Hunger, Pipi, kalt“ für Mensch & Hund und ggf. Medikamente für den, der welche braucht), steht nichts auf dem Plan. Es muss gar nichts.

Je mehr man dazu neigt, auch die Freizeit durchzuplanen und sich Dinge vorzunehmen, desto wichtiger sind für mich diese Pausen. Zeit zum Durchatmen. Zeit, um aus dem verkopften Planen heraus zu kommen und mit mehr Bauchgefühl durch den Tag zu gehen.

Pause bedeutet auch, ohne Erwartung in den Tag zu gehen. Am Ende des Tages zählt hier nicht, was man geschafft hat. Es geht gerade darum, nicht zu bewerten, was man so getan oder nicht getan hat. Es ist auch kein Wettbewerb, wer mehr entspannt hat. An Pausentagen geht es für mich einfach um das Fließen lassen der Zeit und was sich gerade gut anfühlt.

Jetzt zu Weihnachten haben viele von uns ein paar Tage „frei“ und doch packen wir uns all zu oft die Feiertage voll mit Verpflichtungen. Wir bereiten vor und räumen danach wieder auf. Traditionen strukturieren unsere Tage durch. Was sich über die letzten Wochen an To-Do’s aufgetürmt hat, wollen wir noch schnell erledigen, bevor es wieder in den Alltagsstress geht.

Geht es dir ähnlich? Dann möchte ich dich heute dazu einladen, einmal zu schauen, wann Zeit für eine richtige Pause für dich (und deine Hunde) ist. Nimm dir eine Pause – so vieles, das scheinbar nicht warten kann, ist gar nicht so dringend, wie wir uns einreden.

Pausen sind wichtig. Wir dürfen uns Pausen nehmen. Und wenn es dir hilft, dann plane dir deinen Pausentag als „Termin“ in deinem Kalender ein. Blocke dir wenigstens einen Tag komplett frei. Was auch immer sich in diesen Tag hineinschleichen will – du kannst da nicht! Du bist beschäftigt mit Nichtstun und das ist genau so wichtig (oder sogar wichtiger), als alle Termine und To-Do’s, die dir von außen zugetragen werden.

Mach mal Pause!

Dieser Beitrag ist Teil des achtsamen Adventskalenders 2019.